Stationsleitung: Ein Fall für zwei

Stefanie Müller-Bohm und Nadine Tengler über eine ungewöhnliche Idee, ein neues Verantwortungsbewusstsein und noch gewöhnungsbedürftige Bürotage. Wir gratulieren zu einer neuen, spannenden Position. Oder sollten wir lieber sagen zwei? 

Erzählt ihr ein paar Worte über euch und eure Verbindung zu Groß-Sand?

Nadine Tengler: Ich bin seit 2013 in Groß-Sand. Ich habe hier gelernt. Nach dem Examen 2016 habe ich direkt auf der G3 angefangen. Meine Weiterbildung zur Praxisanleiterin habe ich dann Anfang 2019 abgeschlossen und seit März 2020 bin ich dafür teilweise freigestellt.

Stefanie Müller-Bohm: Ich habe 2006 hier angefangen – und bin seitdem auf der G3. 2016 habe ich die Fachweiterbildung Geriatrie und Demenz gemacht. Und jetzt kommt noch dieses ganz neue „Projekt“ Stationsleitung hinzu.

Wolltet ihr schon immer Stationsleitung werden?

Stefanie Müller-Bohm: Ja!

Nadine Tengler: Ich nicht unbedingt. Mein Fokus war immer die Praxisanleitung. Und wenn überhaupt, konnte ich mir eine Leitungsposition nur hier auf der G3 vorstellen. Aber auch jetzt, als die Möglichkeit kam, habe ich länger drüber nachgedacht. Das war keine Bauchentscheidung!

Wie kam es zur Idee der Stationsleitung „im Tandem“?

Stefanie Müller-Bohm: Wir wurden getrennt voneinander angesprochen, den Vorschlag haben wir dann von uns aus gemacht. Ich selbst bin nur 30 Stunden hier, Nadine hat noch die Praxisanleiter-Stelle und möchte studieren – so kam es zur Idee, dass wir uns die Position teilen.

Nadine Tengler: Steffi und ich sind ein gutes Team, die Idee fand ich also gut. Roland Eppler – ehemals hier Stationsleitung, jetzt Abteilungsleiter - hat uns bestärkt – und dann ging das so seinen Weg durch alle Instanzen. Ehrlich gesagt waren wir beide sehr erstaunt, wie offen alle dieser doch eher unkonventionellen Lösung gegenüber waren. Aber es sprach auch einfach so viel dafür – auch für den Arbeitgeber.

Offenbar! Jetzt ist die „unkonventionelle Lösung“ Realität: Was hat sich seitdem verändert?

Stefanie Müller-Bohm: Wir arbeiten beide noch viel am Patienten – und das nach wie vor sehr gern, aber jetzt kommen eben viele administrative Dinge hinzu. Bürotage eben. Daran muss man sich erstmal gewöhnen.

Nadine Tengler: Stimmt, ein Tag vorm PC – ohne viel körperliche Arbeit – fühlt sich noch seltsam an. Ich brauche den Ausgleich und es ist auch mir wichtig, weiter am Patienten zu arbeiten. Mit meinen Händen etwas zu tun, das ich gelernt habe.

Was waren bisher die größten Herausforderungen?

Nadine Tengler: Der Dienstplan! Es erschlägt einen erstmal, wobei man darauf alles achten muss. Da sind gesetzliche Vorgaben auf der einen und die Wünsche der Kollegen auf der anderen Seite. Das ist oft wie ein großes Puzzle, bei dem am Anfang nichts zusammenpasst.

Stefanie Müller-Bohm: Hinzu kommt das Ausfallmanagement. Jemand ist krank, man hatte eigentlich eine Notlösung. Die Notlösung meldet sich krank. Wo ist dann die Notlösung für die Notlösung? Da muss man kreativ sein, sodass am Ende alle möglichst zufrieden sind und gut arbeiten können.

Erst Kolleginnen, dann Vorgesetzte: Was verändert so ein Wechsel im Team?

Nadine Tengler: Klar, man fühlt sich in so einer neuen Position erstmal seltsam – ähnlich wie damals als ich nach der Ausbildung plötzlich Examinierte war. Aber beide Male empfand ich das Team als sehr offen. Jetzt kommt noch ein ganz neues Verantwortungsgefühl dazu.

Stefanie Müller-Bohm: Ja, für einen selbst fühlt es sich im ersten Moment komisch an, wenn man – wie ich – nach dem Urlaub „plötzlich“ als Leitung zurückkommt. Man muss zum Beispiel erstmal lernen, dass man jetzt auch sagen muss, wenn etwas einmal nicht so gut läuft. Das ist für mich neu. Aber nach ein paar Wochen würde ich sagen: Es funktioniert bisher ziemlich gut und, ja, die Kolleg*innen nehmen die neue Lösung sehr offen an.

Nadine Tengler: Vielleicht ist dieses neue, ungewöhnliche Konstrukt auch für das Team inspirierend. Wir wünschen uns, dass die Kolleg*innen auch in der täglichen Arbeit mit (vielleicht ungewöhnlichen) Vorschlägen kommen, was wir künftig anders oder besser machen könnten. Ich glaube, das kann gerade ein guter Anlass für weitere Veränderungen sein.

»Zeit für Veränderung«

Wir wünschen uns, dass auch das Team mit  - vielleicht ungewöhnlichen - Vorschlägen kommt. 

»Zeit für Veränderung«

Wir wünschen uns, dass auch das Team mit - vielleicht ungewöhnlichen - Vorschlägen kommt.